Top-Platz an der Côte d’Azur und Weine aus dem Bandol
Golf trifft Wein – Golfspaß mit Genuß verbinden
von Kai Wunner
Warum nicht das Spielen eines schönen Golfplatzes mit dem Besuch eines guten Weingutes verbinden? In der Reihe „Golf trifft Wein“ zieht es uns diesmal an die Côte d’Azur. Der Golfplatz Fregate auf den Anhöhen des Bandol, oberhalb von Saint-Cyr-Sur-Mer, empfängt einen am Rande von Pinien, Olivenbäumen und Weinreben und mit traumhaften Blicken aufs Meer. Angrenzend liegt die Appellation Bandol, wie ein Amphitheater oberhalb der Stadt Bandol, zwischen Marseille und Toulon gelegen. Die Weingüter Domaine de Terrebrune und die Domaine Antiane sind zwei sehr unterschiedliche, aber sehr interessante Beispiele, für die rund 70 Weingüter der Region, die man gut mit dem Besuch des Golfplatzes verbinden kann.
Der Golfplatz Frégate, entworfen von Ronald Fream, besteht aus zwei Anlagen: Den 18-Loch-Platz Frégate, Par 71, 6.084m und den 9-Loch-Platz Frégalon, Par 29, 1.700m. Er gehört definitiv auf die Bucket-List für reiselustige Golfer. Insbesondere der große Platz besticht mit abwechslungsreichen, teils spektakulären Spielbahnen und einer wunderbaren Aussicht auf die Cote Azur.
Fordernde Spielbahnen mit fantastischer Aussicht
Highlights sind gleich mal die Löcher drei bis fünf. Ersteres ein langes PAR 3 umgeben von beeindruckenden Felsen mit einem mächtigen, sehr onduliertem Grün, das von reichlich Bunkern verteidigt wird. Es folgt die Bahn 4, ein kurzes PAR 4, mit einem schmalen Fairway, der über felsige Stufen führt, und einen mutigen oder alternativ einen strategischen geschickten Abschlag erfordert. Gleich im Anschluss folgt ein weiteres PAR 4, an dem der Drive über den See diverse Optionen anbietet: Kurz über das Wasser und ein weiter Schlag auf ein kleines Grün, an einem weiteren kleinen See gelegen. Oder mutig den langen Weg über den See und nur einen kleinen Pitch aufs Grün.
Danach führen die Spielbahnen abwechslungsreich Richtung Meer bevor die vier Schlusslöcher durch ein schmales Tal noch einmal höchste Präzision erfordern.
Der Frégalon Course mit seinen 9 Löchern ist ideal für Anfänger, bietet aber auch tolle Aussichten auf das Meer. Nach der Runde empfängt einen Loch 19. Das Clubrestaurant liegt am Fuße des großen Hotelresorts**** Le Frégate Provence, das zwar ein bisschen in die Jahre gekommen ist, aber alle Annehmlichkeiten wie ein beheiztes Hallenbad, Sothys-Wellnessbereich, Sauna, Außenpools, Tennis und Boule bietet.

Nach einer entspannten Runde mit einem netten französischen Flightpartner kam beim Small Talk auf der Terrasse der 19 das Thema eines Weingutbesuchs auf. Der freundliche Mitspieler ließ und daraufhin überhaupt keine Wahl und rief ein befreundetes Weingut an und reservierte einen Verkostungstermin in der Domaine de Terrebrune. Völlig unbedarft fuhren wir ins Weingut und wurden herzlichst empfangen und zur Besichtigung eingeladen, deren Finale die Verkostung war.
Ein Besuch in der Domaine de Terrebrune
Das Weinanbaugebiet Bandol ist ein sogenannter Hidden Champion, ist es doch relativ klein und unbekannt im Vergleich zu Bordeaux oder Burgund. Seit über 2000 Jahren ist der Anbau von Weinreben und Olivenbäumen Tradition im Bandol. Im Norden das Sainte-Baume-Massiv, im Süden das Mittelmeer, im Westen das Cap Canaille und im Osten das Gros-Cerveau-Massiv, alle diese Berge sorgen für ein natürliches Amphitheater mit Rebbergen mit Blick auf das Mittelmeer.
Ursprüngliche aus Katalonien stammend, hat die Rebsorte Mourvèdre im südfranzösischen Bandol ein zweites Zuhause gefunden. Diese Trauben stehen für kräftige Tannine, die vom Winzer gebändigt werden müssen. Das Bandol wird geschätzt für seine temperamentvollen, äußerst lagerfähigen Weine, die durchaus mehrere Jahrzehnte im Keller reifen können. Aber da der Markt das Geschäft bestimmt, der typische Wein, für die Provence ist nun mal der Rosé, wird immer mehr Mourvèdre hell ausgebaut. Dieser kann dank der kräftigen Mourvèdre-Trauben allerdings deutlich länger liegen als die typischen leichten Rosés der Provence.

Dass wir nichts ahnend zu einem der besten Winzer des Bandol geführt worden sind, war wohl Schicksal. Die Begegnung mit Winzer Reynald Delille war beeindruckend. Die Weine gut gereift und vorzüglich. Besonders spannend war ein 2001er Rose, der extra für uns aufgemacht wurde, um die Langlebigkeit seiner Weine zu demonstrieren.
Sein Vorzeigewein ist aber natürlich der Rotwein, der mindestens 18 Monate im Eichenfuder ausgebaut werden muss. Die Ernte erfolgt obligatorisch per Hand. Der Ertrag ist per Pflichtenheft auf maximal 40 Hektoliter pro Hektar limitiert, liegt tatsächlich jedoch eher bei 31 Hektoliter pro Hektar. Wie gut die Weine von Ihm sind, wurde mir erst klar, als ich in der Dezemberausgabe des Weinmagazins Vinum die Top 10 Frankreich 2025 studierte. Ein starker 8. Platz im Wettbewerb mit den Topregionen Frankreichs!
Ein glückliches Zusammentreffen beim Dinner
Abends ging es dann zum Dinner spontan an die Promenade von Saint-Cyr-Sur-Mer und wir haben nicht nur ein ausgezeichnetes Restaurant mit inspirierender Weinkarte gefunden. Im es/pacio gab es nicht nur besonderes Essen und Wein, sondern auch noch eine außergewöhnliche Begegnung. Am Nachbartisch saß ein älteres Pärchen, die uns spontan von Ihrem wunderbaren Sancerre probieren ließen. Man kam dann so ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass die zwei die Domaine Antiane im Bandol betreiben.
Winzerin Pascale Charreton und Ihr belgischer Partner Patrick haben 2010 die Reben auf dem Gelände eines ehemaligen Tennisclubs gepflanzt. Ihr kleines Weingut liegt, umgeben von einem Pinienwald, in einem kleinen, 3 Hektar großen, nach Süden ausgerichteten Talkessel, der von jahrhundertealten Olivenbäumen umrandet ist. Der Boden ist lehmig-kalkhaltig, steinig, und die Wurzeln suchen das Wasser in mehreren Metern Tiefe: Dort nutzen sie alle Reichtümer des Terroirs. Es war ein sehr angenehmer Abend und man tauschte einfach mal die Kontaktdaten aus. Wieder zurück in der Heimat stand überraschend ein Paket mit 6 Flaschen ihres Weins vor der Tür.
Fazit
Das Bandol ist ein lohnenswertes Reiseziel, dass auch nicht ganz so überlaufen ist, wie die Hotspots in der Provence. Aber insbesondere auch die weitere Landschaft von Bandol über La Ciotat, Cassis und weiter Richtung Marseille, mit dem Naturwunder Calanques: Klares, türkisfarbenes Wasser in der Bucht und steil ins Meer abfallende Kalksteinklippen, die kleine Fjorde bilden. Für den Golfer gibt es dort noch einige interessante Golfplätze zu erkunden. Nach dem Herbsterlebnis werden wir uns bestimmt demnächst mal den Frühling dort anschauen.

Mehr zur Region und den Golfplätzen findet man unter den folgenden Links:










